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Cindy Lee

Cindy Lee ist das Drag-Pseudonym von Patrick Flegel, einigen vielleicht noch als Sänger und Gitarrist der Calgary Noise/Post-Rock Band Women bekannt. Und nachdem Flegels Kollegen in der Zwischenzeit mit Viet Cong ein paar Ehrenrunden um den Pop-Olymp gedreht haben, inkarnierte dieser als Cindy Lee, um sich fernab der Öffentlichkeit auf die Suche nach wahrer Schönheit (und den Möglichkeiten der Zerstörung dieser) zu begeben. Und Flegel hat ein Händchen für beides: zwischen verhallten Doo-Wop Balladen, unschuldiger Teen Idol/Girl Group-Ästhetik und Petticoat-Charme schickt Flegel seine Kompositionen immer wieder ins Noise-Inferno und überlässt sie dem freien Walten von Feedback und Distortion. Ähnliches machten Psychic TV auch schonmal auf ihren frühen Platten, Twin Peaks ist nicht fern und die Dirty Beaches kann man auch getrost in Erinnerung rufen. Cindy Lees letzten beiden (in Kleinstauflage erschienenen) Alben Act of Tenderness und Malenkost sind nun gerade vom renommierten San Francisco Re-Release-Label Superior Viaduct wieder neu aufgelegt worden. Und auch das mag etwas heißen…

Samstag 17. November - 19.00-19.40
Song : Last Train's Come and Gone

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Circuit Des Yeux

Der Schreiber des Pressetextes von Circuit des Yeux 2017 erschienenen Albums Reaching for Indigo (Thrill Jockey) hat sich einen Witz erlaubt: Haley Fohrs Stimme würde zwar ohne weiteres über vier Oktaven kommen, jedoch immer nur dann, wenn es nicht regnet. Doch Circuit des Yeux könnte verregneter nicht sein: Fohrs Stimme klingt immer ein wenig geisterhaft und eine Tonlage zu tief, während ihr elegisches Songwriting zwischen schepprigem Post-Minimalismus, stehenden Synth-Arpeggios und anderen Sound-Extravaganza eine außerweltliche Schönheit entwirft. Und schon bevor Haley Fohr 2012 nach Chicago zog, kollaborierte sie mit Glenn Branca, Lee Ranaldo, Bill Orcutt, Bonny ‘Prince’ Billy und Olivia Block. Wem das nun noch immer nichts sagt, der möge bitte bei Anthony and the Johnsons, dem späten Scott Walker, der frühen Diamanda Galas und Nico nachschlagen, und sich ein Bild von gediegener Dunkelheit verschaffen.

Samstag 17. November - 20.00-20.45
Video : Brainshift
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Girl Ray

Gerade mal volljährig landen Poppy Hankin, Iris McConnel und Sophie Moss mit ihren ersten Aufnahmen als Girl Ray beim Moshi Moshi Singles Club. Und weil sie Moshi Moshi so gut gefallen, werden die drei Nordlondonerinnen für ihr Debüt-Album gleich dort behalten. Und genauso leicht und unbedarft weht Earl Grey (2018) dann auch ins Haus: Teenage-Heartbreak-Pop mit Lo-Fi-Grundierung und freischwebenden Westcoast-Pop-Remineszenzen, der sich geschickt an der Genealogielinie britischen Indie-Girltums entlanghangelt: von den Marine Girls, über C86, Heavenly und Sarah Records und hin zu The Pooh Sticks und Belle & Sebastian bearbeiten Girl Ray souverän das Feld großer Pop-Narration – und werden mit ihren sonnigen Hooks und ihrem zartem Jingle-Jangle bestimmt noch den ein oder anderen jugendlichen Kopfverdrehen.

ATTENTION NEW STAGE TIME !!!
Freitag 16. November - 21.00-21.45
Video : Preacher
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Klaus Johann Grobe

Klaus Johann Grobe hat ein neues Album. Und es ist mehr Disco als jemals zuvor. Und deswegen heißt es auch Du bist so symmetrisch. Denn Disco ist für Klaus Johann Grube etwas Systemisches. Und als Schweizer Neu-Krautrock-Duo nähert man sich dem autodidaktisch. Und diese Annäherung gelingt Keyboarder und Sänger Sevi Landolt und dem singenden Schlagzeuger Daniel Bachmann ziemlich gut. So gut sogar, dass sich ein Bild wie, Post-Hamburger Schule trifft im Studio von Zoot Woman auf Captain Future gar nicht erst aufdrängt. Doch aufdrängen tun sich Klaus Johann Grube sowieso nicht. Denn dafür sind sie zu smart. Klaus Johann Grube schätzen zwar auf ihrem neuen Album von allen Gedanken am meisten die Interessanten, doch auch dort wird – nicht ganz überraschend – für den Groove immer noch der Körper gebraucht.. Du bist so symmetrisch erscheint im Oktober 2018 auf dem US-Label Trouble in Mind.

Samstag 17. November - 23.15-00.00
Video : Discogedanken
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The Limiñanas

Bestimmt werden The Limiñanas immer mal wieder mit dem Moon Duo verwechselt, zumindest äußerlich. Doch das Duo der Eheleute Lionel & Marie Limiñana ist schon längst zu einer 7-köpfigen Band angewachsen, die – auch mitlerweile äußerst erfolgreich – das beschwingte Yéyé der 60er mit dem drogenschwangeren Rock der späten 70er verschneidet. Und auch auf dem fünften Album der Band, Shadow People (Because Music, 2018) scheppern zwischen Fuzz, Wahwah und acid-tinged Freakouts, die Referenzsysteme Velvet Underground, The Kinks und der Back from The Grave-Katalog im Hintergrund mit. Umweht von der Aura Gainsbourgs und der Songwriter-Sensibilität Nancy Sinatras / Lee Hazlewoods entwerfen The Limiñanas so einen stark elektrifizierten und uptighten Wall-of-Sound, der merkwürdig authentisch und absolut zeitgemäß-retro zugleich ist. Und ausnahmsweise kommt hier ein Hype mal nicht aus dem Herzen Paris, sondern hat erstmal unbemerkt am Rande der Pyrenäen sein dunkles Herz entwickeln können.

Samstag 17. November - 00.15-01.15
Video : Istanbul is Sleepy
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Ought

Und weiter geht’s für Ought aufs nächste Level. Nach dem Debüt More Than Any Other Day von 2014 und dem Nachfolger Sun Coming Down von 2015 (beide auf Constellation), hat sich das Quartett um Sänger Tim Darcy zunehmend von den Postpunk-Wurzeln losgeeist. Ohne jedoch an Sperrigkeit, Vertracktheit, Unmittelbarkeit und Dringlichkeit zu verlieren, nutzen Ought diesen Schritt, um der Zweidimensionalität bisheriger Rock-Formalismen den Rücken zuzukehren und um die Klang-Palette hin zu optionaler Vielheit zu erweitern. Pitchfork resümierte zwar lakonisch, dass Room Inside the World (Merge Records, 2018) straightens out their sound, doch das kann a) bei Musikern aus Montreal nur als Kompliment gelesen werden und b) eine phantastischen Live-Band wie Ought nur anspornen, es auf der Bühne noch mehr knacken zu lassen. Wir sind gespannt, wie Ought den dritten Pfad zwischen Theatralität und Effizienz beschreiten werden.

ATTENTION NEW STAGE TIME !!!
Freitag 16. November - 22.00-23.00
Video : Desire
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Repetitor

John Robb sagte auf Louder than War einmal, dass Repetitor eine der besten Live-Bands der Gegenwart seien. Und wer sich an den bass-heavy Wall-of-Sound dessen Band The Membranes erinnert, wird verstehen, welche Furchen Repetitor geschlagen haben müssen, um diesen Eindruck zu hinterlassen. Zusammengefasst: Repetitor sind die Postpunk/Garagenrock/Proto-Grunge-Überflieger aus Belgrad und liefern den besten Beweis, dass der Balkan mit den Säulenheiligen westlichen Alt-Rocks (Mudhoney, Fugazi, Sonic Youth, Pixies, Nivana, Black Sabbath und Suicide) noch nicht abgeschlossen hat. Mit drei Alben und etlichen Europa-Tourneen seit 2008 hat sich das serbische Power-Trio zwischen Energie, Temperament, Attack und Repetition den Ruf als eine der wildesten und energetischsten Bands des Balkans erspielt und wird das zum Puschenfest sehr wahrscheinlich genau so unter Beweis stellen.

Samstag 17.. November - 21.00-21.45
Video : Suženi snovi
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Saba Lou

All eyes on Saba! Denn Saba Lous Debüt-Album Planet Enigma ist ein meisterhaftes Singulär und eine Perle wunderbarer Provenienz zugleich: Saba Lou ist 17 Jahre jung, die Tochter von Rhythm’n’Garage-Gott King Khan und in dieser Konstellation hat man es bestimmt auch nicht immer ganz leicht. Vor allen Dingen, wenn der erste Track schon im zarten Alter von 6 veröffentlicht wurde (auf einer 7” der besten Synthpunkband der Welt, The Spits). Doch von jugendlicher Schüchternheit ist hier absolut nichts zu spüren, ganz im Gegenteil: Denn Planet Enigma (letztes Jahr auf King Khans Kannibalism Label erschienen) ist das äußerst gelungene Songwriter-Debüt einer alten Seele mit junger Stimme, die sich auf die Suche nach Transzendenz begibt. Und diese findet sie zwischen Delta Blues, femininer Doo Wop-Sensibilität, Eden Ahbez’ Südsee-Exotica und den dezenten Effektwelten von King Khan’s analogem Moon-Studio. Live wird Saba Lou übrigens von einer Bagage um Chuckamucks Oska Wald begleitet.

Freitag 16. November - 20.00-20.40
Live video : Embrace The Sun

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Scout Niblett

Müssen wir Scout Niblett wirklich noch vorstellen? Wer sich an ihren letzten Auftritt auf sandiger Bühne beim Down by the River Festival erinnert, der weiß, wie Niblett einem selbst bei Sonnenschein das Fürchten lehren kann. Denn Niblett ist die Meisterin klandestiner Introversion und verstörender Intimität, und wenn sie etwas perfekt vermitteln kann, dann was es heißt, der Welt abhanden gekommen zu sein. Was tuts da zur Sache, dass ihr letztes Album Its up to Emma (Drag City) jetzt auch schon wieder 5 Jahre zurückliegt? Entscheidend ist doch, wie Nibletts rudimentärer Blues den Gemütsschwankung der Zeit widersteht. Und wenn Niblett etwas in den letzten knapp 20Jahren perfektioniert hat, dann ihre Songs um eine zeitlose Aura herum zu konstruieren. Und seitdem sie dieses gloomy Etwas auch noch mit dem Fuzz-Pedal bearbeitet, können wir es gar nicht mehr erwarten, bis sie das nächste Mal wieder aus dem Schattenreich zu uns hinabsteigen wird.

Samstag 17. November - 22.00-23.00
Song : Can’t Fool Me
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U.S. Girls

Meg Remys bisheriger Weg ist gelinde gesagt atemberaubend. Von den verschrobenen Song-Fragmenten ihrer ersten Alben, hin zu Rosebud, der nahezu charts-kompatiblen Single-Auskopplung aus ihrem aktuellen Album In A Poem Unlimited (4AD, 2018) liegen definitiv diverse Quantensprünge. Doch trotz veränderter Soundästhetik ist sich Remy ihrer Message treu geblieben: Mit feinem, analytischem Gespür entwirft sie auch auf In A Poem Unlimited eine präzise Sozial- und Systemkritik, die über pro-feministische Positionen weit hinausgeht und deren inhaltliche Legitimation nicht erst seit #metoo absolut zeitgemäß ist. Und wie gut sich Remys soulige Stimme mit dem improvisierten Proto-Disco-Sound ihrer 7(!)-köpfigen Backingband The Cosmic Range verträgt, und wie wunderbar hier Fragment um Fragment zu einer großen Narration verwoben werden, wird sie auf dem Puschenfest unter Beweis stellen. Sicher ist auf jeden Fall: U.S. Girls macht nicht nur solo eine äußerst gute Figur, sondern wird auch mit großer Band einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Freitag 16. November - 23.15-00.30
Video : Rosebud
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Neukölln Country Club
x The Chop Karaorkestra

The Chop kennen die meisten von Euch ja als ambitioniertes Konzert-Magazin bzw. Ankündigungskalender. Doch nach 24 Ausgaben und zweieinhalb Jahren aufopferungsvoller Ankündigerei für die Berliner Independent Musik Szene, hat sich The Chop nun definitiv etwas Abwechslung verdient. Und was käme da gelegener als die Afterparty des Puschenfests zu organisieren? Jedoch nicht als irgendeine Party, sondern als waschechte Karaoke-Party mit allerhand bekannten Gesichtern und Überraschungen. Begleitet wirds das Ganze vom Neukölln Country Club und deren spektakulärer Live-BandKaraoke-Performance. Und wer dann betrunken genug ist und trotzdem noch “I think this is a good time in the world to start a print magazine” sagen kann, wird zwar nichts gewinnen, darf sich aber trotzdem den nächsten Song wünschen.

Freitag 16. November - ab 00h30
Neukölln Country Club Facebook
The Chop Facebook